Der Osterwurm














osterwurm


Wer kriecht dort nackt
bei Nacht und Sturm?
Ich bin’s: der Osterwurm.
Kennen Sie den Osterwurm?
Das Endstück der Natur,
zipfellang und nur
zu einem Zweck erschaffen:
um auf der Erde Dreck zu machen,
Sirrwal und Schurrmurr zu pflanzen
und im Ganzen alle Regeln
von Grunde auf her auszuhebeln.
An einem Tag, so gleich wie heute,
schleich ich herum, mach Jagd auf Beute,
such jedes, was nach Ordnung schreit,
mach mich in Planquadraten breit
und, dann, nach einer Weile ja,
hurra! kommt es dem Ersten in den Sinn:
»Mich dünkt, hier ist ein Wurm herin. «
Und wie ich drin bin, vunderwoll,
treib es wild und treib es toll,
tanze mit Gesetzen Samba,
stifte großes Zambaramba.
Denn ich, ich bin der Osterwurm…
kennen Sie den Osterwurm,
der dort kriecht
bei Nacht und Sturm?
Bin überall auf dieser Welt.
Hab Pisas Turm schon schief gestellt.
Das Komma von Pythagoras,
ein Spaß, war von mir ausgedacht,
drum Physik so ungefähr gemacht.
Ich weiß, noch bin ich unverstanden,
wenn ich die Welt sich wurmen seh.
Doch mich befällt, in diesen Landen
ist’s Förderarbeit, die ich leiste,
ich, Osterwurm, der freche, dreiste:
Wo immer Uniformen sprießen,
werd ich sie fleißig niedermähn’.
Wo andre Konventionen gießen,
werd ich neue Wege säen.’

26. März 2007