Der Zwieback
Ein Zwieback hüpfte mal recht munter
immer rauf und runter.
Hüpfte hoch und hüpfte weit,
hüpfte in Unendlichkeit,
sprang schonungslos, nahm sattsam Schwung
eben bloß aus Lust am Sprung.
Zwar war’s dem Zwieback ein Genuss
dem Bauch geriet’s just zum Verdruss.
Grad wurd ihm schlecht und blümerant
so zwiebackhopserschüttelkrank,
auch Galle, bis zum Pankreas
sie alle hatten keinen Spaß:
ein Darmarm schlang sich ungestüm
entlang dem Leberungetüm,
die Milz fiel frei von ihrem Platze,
sich in die linke Leiste batzte,
wo sie ein loses Zwerchfellstück
mit wenig Glück am Steiß erdrückt,
welches eben selbst zuvor
auf wüste Weise Halt verlor,
in den hohlen Bauchraum rutschte,
vorbei an Herz und Nieren flutschte,
auf dem Weg sich kurz verfing
am Wirbelkopf, der überhing,
orgiastisch sich dort überschlug
die Schwerkraft fort nach unten zog,
und schließlich es passierte,
mit Wucht sich havarierte.
Indes der Zwieback federte
die Innereien räderete,
bis irgendwann der Zeitpunkt kam,
an dem der Spaß sein Ende nahm.
»Genug!« schnappte die Lunge erbost,
»wer so aufdreht ist nicht mehr bei Trost.
Dem sollte man die Luft abzwicken
und einmal durch den Fleischwolf schicken.«
Wutentbrannt schwoll ihr der Hals,
die Milz noch: »Ui, jetzt knallt’s«,
dann schäumte sie und sich aufblähte
»Bumms«, rissen jäh die Außennähte.
Drauf lief dem Bauch die Galle über
der Leber kroch ne Laus darüber
die Hauptschlagader barst vor Wut,
dem Blutdruck tat das gar nicht gut,
auf Höchstmaß er sich steigerte,
das Herz hernach sich weigerte,
beim Zwieback es grad rappelte,
und bald er nicht mehr zappelte.
Ein Zucken sacht ihm noch entschlüpft,
dann hatte es sich ausgehüpft.
Das war’s nun mit dem Firlefanz,
dem Kickikackizwibacktanz,
Die nächste Zeit ist Tag für Tag
dem Zwieback Ruhe angesagt.
Soll er schonend und sich leicht ernähren,
peu à peu sich selbst verzehren,
wird er so an seinem Wesen
sicherlich sehr schnell genesen.
28. März 2005
